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Friesischer Klootschießer-Verband e.V.

Website des KBV Grabstede


Die Kinder wollen lieber wie Michael Ballack werden - Teil 2

Nachbarsport: Gibt es bei den Sportlern eine klare Trennung zwischen Boßlern und Klootschießern? Betreiben viele beide Sportarten oder gibt es hauptsächlich Spezialisten für jeweils eine der Disziplinen?

Caspers: Die meisten Vereine sind KBVs oder (selte-
ner) BKVs, also Klootschießer- und Boßelvereine. Die
Trennung ist aber klar, es gibt einen eigenen Spiel-
betrieb für das Boßeln. Die meisten Mitglieder boßeln
nur; es ist die leichtere Sportart. Eine leider nur ge-
ringe Anzahl beherrscht das Klootschießen richitg gut. Anfang Januar fand hier der
Feldkampf Ostfriesland gegen Oldenburg statt. Das ist der absolute Höhepunkt, weil er
im Höchstfall einmal im Jahr stattfindet, und das auch nur, wenn der Boden gefroren ist.

Dafür fallen im kompletten Spielbetrieb die Wettkämpfe aus, damit nicht nur die Werfer
dorthin können, sondern jedem Boßler die Möglichkeit geboten wird, dort zuzuschauen.

Das Boßeln ist halt leichter zu erlernen und schon früh kann man (wenn auch mit Kante
oder eingefahrener Rille in der Straße) sehr weite Meter werfen. Beim Klootschießen ist
es überhaupt nicht so. Da kann man nicht "mit Glück" eben mal 70 oder gar 100 Meter
werfen. Es bedarf langer und regelmäßiger Übung, damit man wieder ein paar
Meter mehr werfen kann. Nachteil beim Klootschießen ist, dass sich die Werfer relativ
selten im Jahr messen, so dass es an sich recht undankbar für einen Werfer erscheint.

Nachbarsport: Wieso wird Boßeln nur im Winterhalbjahr betreiben? Hat dies mit der
Tradition und der Entstehung aus dem Klootschießen zu tun, oder gibt es dafür andere
Gründe?

Caspers: Das ist eine gute Frage. Das war schon immer so. (lacht) Man muss aber
auch gestehen, dass es dann am meisten Spaß macht. Im Sommer draußen bei der
Hitze herumrennen hat nichts, kann aber gut sein, dass es damit zusammenhängt. Ich
müsste mal nachforschen.

Nachbarsport: Wie ist deine Haltung gegenüber den Freizeitboßlern, die in feucht-
fröhlicher Runde über die Straßen ziehen? Lehnst du das eher ab, oder erkennst du
auchpositive Effekte, wenn Menschen über diesen Weg mit dem Sport in Kontakt
kommen?

Caspers: Ich lehne es ab! Falls wirklich ein Werfer auf die Idee kommen könnte, da-
durch den Weg zum Boßelsport zu finden, wäre es ja gut und schön. Aber es hat glaube
ich schon mehr kaputt gemacht. Es ist oft nicht leicht Touristen zu erklären, dass bei
uns Mannschaften auf der Straße sind, die um Punkte kämpfen und Alkohol während
des Wettkampfs absolut tabu ist. Dass hinterher in der Kneipe getrunken wird (auf den
Sieg oder die Niederlage) kommt bei anderen Sportarten auch vor, das hat dann nichts
speziell mit Boßeln zu tun.

Das Interview führte Markus Lüttgens.

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